9. April – zum Tag der Märtyrer in Tunesien

9. April – zum Tag der Märtyrer in Tunesien

Schon am Morgen des 8. April 1938 begannen die Frauen Tunesiens mit großen Demonstrationen im gesamten Land, die am Nachmittag, vor allem vor der US amerikanischen Botschaft durch hunderttausende fortgesetzt wurde. Die Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen. Unter der Besatzung Frankreichs erlitten die Menschen die unter dem Knebel der herrschenden Klasse standen, eine unglaubliche Armut und Entrechtung gegen die sie sich begannen aufzulehnen.

In der aufstrebenden Stärke sahen die Tunesier ihre Chance, endlich die Unabhängigkeit von Frankreich zu erlangen, das sie seit 1881 besetzt hielt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich erste Widerstandsgruppen gegen die französische Bevormundung und Besatzung. Die Reaktionen Frankreichs, als Herrscher über die tunesische Souveränität waren Zensur, das Verhängen von Ausnahmezuständen und der brutale Versuch, jegliches antikolonialistisches Gedankengut im Keim zu ersticken.

Frankreich begann nach dem Ende des 2. Weltkrieges zehntausende Soldaten zu mobilisieren, um die immer weiter nach Freiheit strebende Bevölkerung und den immer besser organisierten Widerstand blutig niederzuschlagen. Tunesische Unabhängigkeitskämpfer bewaffneten sich, um die Befreiung zu erzwingen.
Der zu damaliger Zeit noch militante Sprecher der nationalen Jugendorganisation Ali Balahouane hielt eine provokante Rede vor dem Sitz der französischen Besatzer, in der er massiv gegen das Protektorat und seine Vertreter sprach. Er wurde daraufhin verhaftet.

Am nächsten Tag, dem 9. April 1938, bildete sich ein spontaner Protest gegen die Repression und die brutalen Verhaftungen, bei dem auch die Forderung eines unabhängigen tunesischen Parlaments laut wurde. Die französische Armee feuerte daraufhin wahllos in die Menge und ermordeten 112 Menschen, provozierte hunderte von Verletzten und führte mehr als dreitausend Verhaftungen durch.

Frankreich begann anschließend mit der Hinrichtung, der Deportation und dem Zwangsexil von duzenden Aktivisten, verlangte die Auflösung der nationalen Partei, die die Unabhängigkeit Tunesiens in erster Linie forderte und verhaftete reihenweise deren Führer.

Der 9. April 1938, war der Beginn eines Befreiungskampfes, der durch die Zwangsauflösung der Gewerkschaft durch die französische Besatzung im selben Jahr geschwächt wurde und der es daraufhin den Strukturen der Nationalisten erlaubte, sich in einer breiten Organisation unter dem Volk zu verbreiten. Die Befreiung Tunesiens von der brutalen Besatzung durch die Franzosen war somit nur eine Befreiung aus der Besatzung, nicht aber eine Befreiung von den imperialistischen Wirtschaftsbeziehungen und ebenso wenig von den politischen Fäden, die weiterhin unter Bourgiba, durch die kapitalistischen Mächte bestimmt wurden. Anfang der 60er Jahre wurde die Néo-Destour Partei (später Parti Socialiste Destourien), also die Partei Bourgibas allmählich zur Einheitspartei Tunesien und somit die Grundlage für eine neue Diktatur geschaffen. Salah Ben Youssef, der wichtigste Oppositionelle Tunesiens, wurde 1961 in Frankfurt ermordet, und die Kommunistische Partei am 8. Januar 1963 verboten. Nur so können sich die Liberalen an der Macht halten, durch weitere Repressionen gegenüber den antiimperialistischen Kräften.

Seit 2011 werden am Tag der Märtyrer auch die Ermordeten geehrt, die durch die brutale Hand der Ben Ali Diktatur umgebracht wurden. Damals kamen während der Aufstände zwischen Dezember 2010 und Januar 2011 über 219 Menschen zu Tode, über 700 wurden schwerwiegend verletzt.

Am 9. April 1948 – und das darf nicht vergessen werden – haben die zionistischen Kräfte das Massaker von Deir Yassin begangen, um das Land Palästina und dessen Bevölkerung von der Landkarte auszulöschen.

Der Kampf geht weiter! Auch heute und erst recht! Durch den Mord am Oppositionspolitiker Chokri Belaid am 6. Februar 2013 auf offener Straße wurde deutlich, dass die Repression kein Ende genommen hat. Sie hat nur ein anderes Gesicht bekommen.
Die linken Kräfte dürfen sich nicht mit dem System abfinden, der Kampf kann und darf nicht aufhören! Es gibt keine Kompromisse!
Hoch die internationale Solidarität!
Gegen Imperialismus, Krieg und Unterdrückung!

Es lebe der antiimperialistische Kampf der Völker!

Es leben die Märtyrer, die für die Freiheit gestorben sind!
Ehren wir diese besonders am heutigen Tag!

Arabische Rote Hilfe

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